Das Wunder der Erweckung auf hartem Missionsboden

Seminar zur Geschichte der Erweckung
Das Erforschen der Wege der Erweckung bringt für uns oft noch unbekannte Wunder Gottes an den Tag. Wir beobachten dabei auch die Wirkungsweise des Herrn und können daraus Schlüsse für unseren Dienst heute ziehen. So war es auch diesmal in Karaganda, wo im Gemeindehaus der MBG ein Seminar zur Geschichte der Erweckung und Entstehung der Gemeinden in dem asiatischen Teil der ehemaligen UdSSR stattfand. Besondere Höhepunkte waren zwei Bücher von Forschern aus Omsk und die Berichte der kasachischen Geschwister über die Erweckung in ihrem Volk.
In den Tagen des Seminars zogen Schneestürme über Kasachstan. Trotzdem erreichten am 23. – 25. Januar viele interessierte Geschwister aus Kasachstan, Usbekistan, Russland und Deutschland meistens mit der Bahn ihr Ziel. Die Teilnehmer, die Karaganda mit dem Auto erreichen wollten, kamen mit Verspätung oder mussten wegen gesperrten Autostraßen umkehren. Nächstes Jahr sind es 20 Jahre, dass die Geschichte in dieser Form in Kasachstan erschlossen wird. Im Laufe der Zeit sind viele Geschwister zu Stammteilnehmern geworden, doch jedes Mal gibt es auch neue Teilnehmer. Einige der Neuen von diesem Jahr:
Wjatscheslaw Kirillow hatte einige Jahre die Einflüsse der Mennoniten auf die Lehre der russischen Baptisten erforscht und dazu das Buch „Mennoniten und die russländischen Baptisten“ (Меннониты и российские баптисты) publiziert. Er stellte die Ergebnisse seiner Forschung und sein Buch vor.
Konstantin Prochorow aus Omsk konnte nicht zum Seminar kommen, aber sein Buch „Im sibirischen Palästina“ (В сибирских Палестинах) wurde vorgestellt. Es ist bei Samenkorn erschienen und gibt eine gründlich belegte und aufschlussreiche Beschreibung der vielfältigen Geschichte der ältesten und einflussreichen Baptistengemeinde in Omsk. Diese Gemeinde war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ein wichtiges Zentrum der Erweckung in Sibirien und Kasachstan.
Ganz neu war dieses Jahr die intensive Beschäftigung mit der Entstehungsgeschichte der kasachischen Gemeinden. Dazu sind zum Seminar viele aktive kasachische Geschwister erschienen. In den letzten 30 Jahren entstand in Süd- und Westkasachstan eine Reihe kasachischer Gemeinden, deren Anfänge auf die Gebete der Gläubigen in der Sowjetzeit zurückgehen. Durch eifrige Geschwister aus den Gemeinden der Baptisten und Mennoniten und durch ausländische Missionare entstanden die ersten kasachischen Gemeinden. Mittlerweile missionieren sie selbst unter ihrem Volk.
Außer in den selbständigen Gemeinden gibt es auch viele gläubig gewordene Kasachen in russischsprachigen Gemeinden (z.B. in Karaganda, Stschutschinsk, Saran, Astana usw.). Bei einer Gesamtzahl der Mitglieder der Gemeinden baptistischer und mennonitischer Prägung von 10.000 ist die Zahl der gläubigen Kasachen in den Gemeinden auf 1.000 zu schätzen. In charismatischen Gemeinden könnte es wohl noch mehr Kasachen geben.
Schon in den früheren Seminaren gab es Vorträge über das mittelalterliche Christentum in Zentralasien, besonders die Christen unter den Türkvölkern. Diesmal trug Wladimir Lopuzky (jetzt Dsheskasgan) die meistens unbekannten Geschichten der kasachischen Sippen vor, die vor 130 Jahren das Christentum annahmen. Von ihnen sind heute nur einzelne bekennende orthodoxe Christen bekannt. Nurlan Tuleuow aus Astana (neuerdings heißt die Hauptstadt Nursultan) führte eine Reihe von Beispielen an, in denen das Kennen der Geschichte der Kasachen und ihrer Stämme half, ein Zeugnis von Christus zu geben.
Die kasachische Gemeinde „Senim“ in Schymkent will dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern und zwei Brüder, Mustafa Jershanow und Serik Kambarow, bezeugten von den Wundern Gottes in ihrer Geschichte.
Im Laufe der 1990er Jahre entstanden kasachische Gemeinden auch in Taras (ehemalige Dshambul), Almaty, Schymkent, Aktobe (früher Aktjubinsk), Uralsk, Aktau – aus all diesen Gemeinden gab es bewegende Zeugnisse oder auch ausführliche Berichte. So trug Sejnep Tadshibekowa einen längeren Bericht über die wechselhafte Geschichte der Gemeinde „Kutkaruly sholy“ (Rettungsweg) in Almaty vor.
Über die Arbeit unter Kasachen aus russischsprachigen Gemeinden berichteten Beles Bekmaganow (Stschutschinsk) und Serik Kotscheganow (Taras, ehemalige Dshambul).
Der Westen Kasachstans war durch drei Brüder aus Uralsk, Aktau und Aktobe vertreten. In jeder dieser Städte gibt es heute kleine kasachische Gemeinden. Alibek Balgerejew berichtete wie die Gemeinde in Atyrau durch Gastarbeiter aus Aserbaidschan begann. Heute laufen am Sonntag zwei getrennte Gottesdienste: russisch und kasachisch und die Brüder teilen sich das Bethaus. Sansysbaj Kitarow erzählte von der kleinen kasachischen Gemeinde in Uralsk.
Aus Aktobe berichtete Jerken Myrsachmetow über die zwei kleinen kasachischen Gemeinden, die jeweils ein eigenes Bethaus besitzen und registriert sind. In der Gemeinde MSZ ECh.B sind auch mehrere kasachische Familien aufgenommen. In all diesen Fällen liegt der Anfang der Erweckung in den 1990-er Jahren.
Viele der Ersten sind aber nicht auf dem Weg der Nachfolge Christi geblieben. Mejram Begalin in Karaganda kam im Juni 1989 zu der MBG Karaganda, aber nach einem Jahr aktiven Mitgehens hatte ihn sein Bruder durch religiöse Philosophie verführt. Bei dem ersten Tauffest in Mirnyj (Karagandagebiet, 1993) wurde auch ein Kasache getauft, aber seine Familie schickte ihn sofort weg und es konnte weiterhin kein Kontakt mit ihm hergestellt werden. Heute werden von den Moscheen aus Kasachen, die in engeren Kontakt mit Christen kommen, bedroht und bearbeitet, sodass sie meistens diese Kontakte abbrechen.
Die 30-jährige Geschichte des Pflegeheims „Dom Milosrdija“ in Karaganda trugen Serik Dshasitow (Leiter) und Dinara Muchamedshanowa (Mitarbeiterin) vor.
Der Weg zum Glauben an die Errettung durch Jesus Christus war und ist für die Kasachen nicht leicht. Nicht zu verkennen war die wichtige Rolle der Gemeinden und einzelner Christen, die sich dieser Suchenden angenommen hatten und ihnen halfen die ersten Schritte im Glauben und in die Gemeinde zu gehen. In jedem Bericht ging es um den harten inneren Kampf und die Verkennung und Anfeindung von Seiten ihrer Verwandten und eifriger Muslime, durch die die meisten von ihnen gehen mussten. Diese Bedrängnisse währen auch weiter fort. Dennoch sind die meisten von ihnen evangelistisch tätig. Unter ihnen sind viele als Diakone und Älteste eingesetzt und ihr Dienst wird immer bemerkbarer.
Galym Tolekejew (Karaganda) sprach über den schweren und langsamen Prozess der geistlichen Verwurzelung der Neubekehrten.
In Verbindung mit der Erweckung unter Kasachen berichtete Wjatscheslaw Stassjuk (Wannowka, Südkasachstan) über die Beziehungen zwischen den Gemeinden und den ausländischen Missionswerken, die unter Kasachen zu arbeiten begannen. Der Dienst der Missionare war manchmal hilfreich und motivierte die bestehenden Ortsgemeinden aktiver unter Kasachen zu evangelisieren. Doch gab es leider viele Missverständnisse bei der Zusammenarbeit. Die westlichen Missionsstrategien, theologische Positionen, Gemeindepraxis und Vorbereitung der Missionare konnten oft nicht den Gegebenheiten in Kasachstan entsprechen. Die mangelnde Zusammenarbeit der Missionare mit den bestehenden Ortsgemeinden führte in der Entwicklung der neuentstandenen kasachischen Gemeinden oft zu Schwierigkeiten.
Es gab aufschlussreiche Beiträge von Johann Schneider über die Evangelisten aus verschiedenen Völkern und Ländern, die in Russland tätig waren und die Evangelisation unter den russischen Kriegsgefangenen in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg. Ein Sonderkapitel bildete die Geschichte der Bibelschule Wernigerode und der Gründung des Missionsbundes „Licht im Osten“ vor hundert Jahren. Viktor Fast beleuchtete die große Evangelisation der 1920er Jahre und den immer härter werdenden Vernichtungskampf der Sowjets gegen den Glauben. Das wurde an manchen Beispielen deutlich gemacht.
Ein im Seminar angestrebter Schwerpunkt war die Sammlung der Geschichte der Ortsgemeinden. Dazu gab es, außer der Geschichte der Gemeinde Omsk und der kasachischen Gemeinden, Beiträge zu Stschutschinsk (Andrej Fast), Aktas (Igor Dibirow) und Usbekistan (Alexej Konowalow). In all diesen Fällen ist noch viel Fleißarbeit zu tun.
Franz Tissen (Saran) referierte darüber, wie die Gemeinden den neuen Formen der Versuchung widerstanden. Wjatscheslaw Schurawlew (Karaganda) griff das Thema „Militärdienst der Gläubigen in der Sowjetzeit“ auf. Dazu gab es einige persönliche Zeugnisse.
Wladimir Sawkin (Abaj, Karagandagebiet) sammelt Schriften, Briefe, Fotos, Plakate und verschiedene Gegenstände, die von dem geistlichen Leben der früheren Zeiten zeugen und rief auf, ein Archiv und Museum der Bruderschaft in Saran aufzubauen.
Das Erforschen der Wege der geistlichen Erweckung bringt für uns oft noch unbekannte Wunder Gottes an den Tag und macht uns Mut, auf das weitere Heilswirken des Herrn zu warten und etwas dazu beitragen. Wir beten, dass auch weiterhin die geschichtliche Arbeit den Herrn der Geschichte groß macht und für uns lehrreiche Lektionen bietet.
Mit einigen Interessierten besuchten wir noch das Karlag-Museum an der Zentralstelle des ehemaligen Konzentrationslagers in Dolinka (40 km von Karaganda).
Viktor Fast, Johann Schneider

Der erste jugendliche Kasache, Amangali Schapakow, ist im September 1990 aus Neugier zum ersten Mal zum Gottesdienst gegangen. Sein Vater hatte ihm über die Deutschen, ihre Ordnung, Kultur und Besonderheiten, mit denen er während seines Militärdienstes in der ehemaligen DDR bekannt wurde, erzählt. Um diese Deutschen kennen zu lernen, ging Amangali in die „deutsche Kirche“ (so hieß sie im Volksmund) in Aktjubinsk, obwohl das eine gemischte russisch-deutsche Baptistengemeinde war. Er kam rein und setzte sich neben mich in den Chor, obwohl das für Besucher nicht üblich war. Ich bin Anfang Oktober nach Deutschland ausgewandert, aber Amangali ist geblieben, hatte sich später bekehrt und wurde getauft.

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