Der unveränderliche Auftrag

Vortrag von H.F. auf dem Missionstag des Hilfskomitee Aquila
in Harsewinkel am 25. Oktober 2025
(Redaktionell gekürzt und bearbeitet)

„Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen.“ Matthäus 28,18–20
Seit ihrer Entstehung hat die Gemeinde drei Hauptaufgaben: Die Verherrlichung Gottes, denn sie existiert „zum Lob seiner Herrlichkeit“ (Eph 1,12), der Gemeindebau nach innen, denn die Gemeinde soll „zu einem heiligen Tempel im Herrn“ (Eph 2,21) wachsen und der Gemeindebau nach außen. Durch Mission sollen Menschen zu Jüngern gemacht werden, so wie Jesus es geboten hat. Wenn einer dieser Bereiche vernachlässigt wird, gerät die gesamte Gemeinde aus dem Gleichgewicht.
Mission hatte zu jeder Zeit ihre besonderen Herausforderungen. Die Weltlage ist heute besonders angespannt. Die Welt droht regelrecht auseinanderzubrechen. Es gibt Kriege, Hungersnöte, Seuchen, Erdbeben … Wir sehen vieles, was in Matthäus 24 beschrieben ist. Auch der ethische und moralische Zerfall, wie er in 2. Timotheus 3 beschrieben wird, ist heute erkennbar: Selbstsucht, Geldgier, Hochmut – und das nicht nur in der Welt, sondern auch unter denen, die äußerlich gottesfürchtig erscheinen, aber die Kraft des Glaubens verleugnen. Der geistliche Zerfall betrifft heute auch große Teile der Christenheit. Viele haben nur noch den Schein von Gottesfurcht. Paulus warnt im ersten Brief an Timotheus: „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden“ (1 Tim 4,1). Dieser Abfall ist heute deutlich sichtbar.
Die Weltlage können wir kaum beeinflussen – aber die Gemeinde ist unser Wirkungsbereich. Mitten in dieser Welt gilt noch immer der gleiche Auftrag: „Geht hin in alle Welt.“ Das ist keine Empfehlung, sondern ein Befehl – Gottes ausdrücklicher, unveränderlicher Wille.
Die ersten elf Jünger hatten keine Bibel, keine Traktate, kein Auto, kein Telefon. Ihnen gegenüber stand das Römische Reich als Weltimperium. Menschlich gesehen war ihre Mission zum Scheitern verurteilt, doch damals begann ein Werk, das bis heute Bestand hat. Das Römische Reich ist untergegangen, aber die Gemeinde Gottes besteht. Warum? Weil Gott selbst dahintersteht.
Die Jünger waren mit zwei Dingen ausgerüstet: einem klaren Auftrag und der Verheißung der Gegenwart Gottes. Bei genauerem Hinsehen fällt auf: Das Wort „alle“ begegnet uns im Missionsbefehl gleich viermal. Diese vierfache Wiederholung ist kein Zufall – sie betont die Dimension von Jesu Auftrag. Sehen wir uns diese vier „alle“ einmal genauer an:

  1. „Mir ist gegeben alle Macht“
    Wir haben es mit einem allmächtigen Herrn zu tun. Er ist kein Präsident eines mächtigen Landes dieser Welt. Nein, er ist Gott, dem die ganze Welt gehört. Wir sind oft ängstlich und zaghaft bei der Verkündigung des Evangeliums. Wir sind zwar davon überzeugt, einen allmächtigen Herrn zu haben, doch unser alltägliches Leben spiegelt diese Überzeugung häufig nicht wider.
    Wir dürfen uns gewiss sein: Gott hat alle Macht. Wer in seinem Auftrag handelt, braucht sich nicht zu fürchten, denn der allmächtige Gott selbst steht hinter ihm. Vielmehr braucht es die Gottesfurcht in der Verkündigung. Jesus Christus mahnt im Blick auf das Bekennen: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle!“ (Mt 10,28). Irgendwann wird jeder einmal Gott fürchten, wenn nicht hier auf Erden, dann in der Ewigkeit.
  2. „macht zu Jüngern alle Völker“
    Dieser Auftrag beginnt in unserem unmittelbaren Umfeld – bei unseren Verwandten, Nachbarn, Arbeitskollegen, im Supermarkt oder an der Tankstelle – doch er geht noch viel weiter: „… ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!“ (Apg 1,8b). Wo wäre die Christenheit, wenn die Jünger diesen Auftrag nicht ernst genommen hätten? Heute sind weit entfernte Länder und unbekannte Sprachen keine Barrieren mehr. Wir haben viele Möglichkeiten, die wir früher nicht hatten, doch wie viel unserer Zeit widmen wir wirklich der Mission? Wie viele Tage unseres Urlaubs sind für die Mission reserviert? Wir sind nicht für alle Völker der Erde verantwortlich, aber für das Missionsgebiet, das Gott uns aufzeigt.
  3. „lehrt sie alles halten“
    Dies ist ein Bereich, der in der Mission oft nicht stark genug betont wird. Es gibt die Auffassung, dass man Menschen zwar zur Bekehrung leiten müsse, aber das anschließende Lehren die Aufgabe anderer sei. Doch wenn wir uns die Worte Jesu im Missionsbefehl anschauen und auch die Umsetzung, wie sie beispielsweise in der Apostelgeschichte beschrieben wird, so stellen wir fest, dass dort ganz klar gelehrt wird. Paulus predigte nicht nur zur Bekehrung, sondern erklärte auch Gottes Willen und Gebote.
    Auch heute gelten die Worte, die Paulus an Timotheus richtete: „Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung! Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden“ (2 Tim 4,2–4). Man glaubt heute jeglichen Unsinn, der irgendwo verbreitet wird, aber dem Wort der Wahrheit in Jesus Christus glaubt man nicht. Die heutige Christenheit predigt oft Toleranz und Akzeptanz, doch die Schrift fordert Klarheit. Erst wenn ein Mensch sich im Licht Gottes erkennt, kann er ein wahrer Jünger werden.
    Diese Klarheit muss auch im Alltag gelebt werden. Ein Mensch erkennt erst dann, dass eine Gemeinde wirklich vom Herrn ist, wenn er merkt: Hier ist etwas anders als in der Welt – Denken, Reden und Leben sind geprägt von Gottes Wahrheit. Wir können der Welt unmöglich ein Zeugnis sein, wenn wir so werden, wie die Welt. Wir können die Welt nicht christlicher machen, aber wir können zulassen, dass die Gemeinde weltlicher wird. Das Evangelium verlangt aber Klarheit und Nachfolge: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach“ (Lk 9,23). Wenn wir in dieser Zeit Menschen wirklich zu wahren Jüngern machen wollen, dann müssen wir ihnen das Wort in aller Klarheit predigen und sie lehren. Es geht nicht um eine einmalige Entscheidung, sondern darum, den Willen Gottes täglich zu tun. Jesus sagt in Matthäus 7,21: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ Wir haben als Gemeinden den Auftrag, das Wort klar zu verkündigen. Es soll gelehrt werden, das Wort Gottes zu halten, nicht nur zu kennen.
  4. „siehe, ich bin bei euch alle Tage“
    Das ist ein gewaltiger Trost angesichts dieses Auftrags Gottes. Mitten in unseren Schwierigkeiten und Versuchungen ist Gott derselbe, der den elf Jüngern damals diese Verheißung gab. Die Jünger gingen auf Jesu Befehl los. Sie haben auf seine Verheißung vertraut – und Gott hat durch sie gewirkt: Menschen sind zum Glauben gekommen und die Gemeinde Gottes ist gewachsen. Sowohl der Auftrag zur Mission als auch die Verheißung seiner Gegenwart gilt auch uns und bis ans Ende aller Tage.
    Der Missionsbefehl gründet auf Gottes Macht, richtet sich an alle Völker, fordert das Halten aller Gebote und ist begleitet von Gottes Gegenwart. Die Gemeinde ist berufen, diesen Auftrag in Klarheit und Gehorsam auszuführen – nicht angepasst an den Zeitgeist, sondern gegründet im Wort Gottes.