Drei Festtage


Reise in die Ukraine vom 24. Mai – 2. Juni 2025
Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Lukas 12,32
Mit P. L. und meinem Enkel L. erlebten wir 10 intensive Tage in der Ukraine. Wir legten ca. 5.000 km ohne störende Zwischenfälle zurück. Preist den Herrn!

Bethauseinweihung in Wladimir-Wolynskij
In Wladimir-Wolynskij an der westlichen Grenze der Ukraine lebten einige Schwestern, die von der Baptistengemeinde in Kowel sporadisch besucht wurden. Die Gemeinde Kowel beauftragte die Familie P. und T. S., diese Gruppe regelmäßig zu betreuen. Sie hatten vor kurzem ihr Eigenheim in Kowel gebaut und für ihre große Familie eingerichtet. Sie nahmen diese Aufgabe ernst und besuchten und gestalteten regelmäßig die Versammlungen in Wladimir-Wolynskij. Der Herr segnete dieses Vorhaben, so dass mehrere Besucher aus der Nachbarschaft zur Gemeinde hinzugetan wurden.
Für die Familie war das ein Zeichen, an diesem Ort eine Gemeinde zu gründen und ein Versammlungshaus zu bauen. Sie verkauften ihr neues Haus und mieteten sich ein altes Haus in der Stadt Wladimir, um vor Ort regelmäßig die Gemeinde zu betreuen und das Gemeindehaus zu bauen. Sie fanden dafür ein geeignetes Doppelgrundstück und fingen mit Unterstützung einiger Gemeinden aus Deutschland im Herbst 2021 an, das Gemeindehaus zu bauen.
Im Februar 2022 überraschte sie der Krieg, der aber den Mut und die Freude am Bauen nicht minderte. Mit praktischer Hilfe der ukrainischen Gemeinden und Spenden aus Deutschland ist das Gemeindehaus in diesen Jahren fertiggestellt worden und am 25. Mai 2025 feierten wir mit ihnen die Einweihung des Hauses. Es kamen viele Gäste aus der Umgebung und aus Deutschland. Preist den Herrn! An ihrem Privathaus, das als Rohbau auf dem Nachbargrundstück bereits errichtet wurde, steht noch viel Arbeit bevor.
Abends besuchten wir die kleine Gemeinde in Wolja. Sie versammelten sich zu einem extra organisierten Gottesdienst am Abend. Das nach einem Brand renovierte Versammlungshaus war voll. Auf dem Nachbargrundstück hat die Gemeinde ein gut ausgebautes Gebäude, in dem regelmäßig Invalidentreffen organisiert werden. Da konnten wir auch übernachten.
Den nächsten Tag besuchten wir die Schriftstellerin S. T. in Ushgorod. Wir staunten über ihre Arbeitsenergie! Jedes Jahr kommt trotz ihres fortgeschrittenen Alters ein neues Buch – wie aus dem Ärmel geschüttelt! Sie ist froh und dem Herrn dankbar für die Möglichkeiten, die der Herr gibt!

Schulabschluss in Podwinogradowo
Dankt dem HERRN, ruft seinen Namen an, verkündigt unter den Völkern seine Taten, erinnert daran, dass sein Name hoch erhaben ist! (Jesaja 12,4)
Wir reisten nach Transkarpatien, um am Abschlussgottesdienst der Romaschule in Podwinogradowo teilzunehmen. Die Schule existiert bereits elf Jahre. Auch dieses Jahr wurden Jungen und Mädchen, die ihr viertes Schuljahr beendet haben, aus der Schule entlassen. Sie sind froh, dass sie in dieser Schule lesen und schreiben gelernt haben. Ihre Eltern hatten nicht solche Möglichkeiten. Viele leiden darunter, dass sie weder lesen noch schreiben können.
Unser Ziel war und ist es noch immer, ihnen das Lesen beizubringen. Hauptsächlich, damit sie das Wort Gottes lesen können. Es wird sie durch das Leben bringen. Wer sich mehr Schulwissen aneignen möchte, hat die Möglichkeit in die öffentliche Schule zu gehen und sich weiter ausbilden lassen, aber kaum jemand macht es. Viele meinen, dass der Schulbesich bereits ausreicht. Die Mädchen werden oft kurz nach dem Schulabschluss verheiratet; einige auch schon vorher.
Man merkt, dass die Schule im Tabor sehr viel verändert hat. Viele Einkäufe oder Behördengänge können die Geschwister jetzt selbständig erledigen. Mittlerweile werden bereits Kinder der ersten Absolventen eingeschult. Die kommen auch schon viel besser mit, denn ihre Eltern legen mehr Wert auf das Lernen und die Disziplin. Die Ältesten der Gemeinde sagen, dass sie sich das Leben im Tabor ohne Schule nicht mehr vorstellen können.
Wenn man die Jungen frägt, was sie werden wollen, so antworten viele, sie wollen Gemeindeälteste oder Dirigenten werden. In der Schule wird ihnen auch Gesang und Musik beigebracht. Die Kinder und Jugendlichen können sehr gut singen und einige spielen Klavier, Geige oder Gitarre. Jetzt können sie auch die Worte und Noten lesen. Die vorige Generation musste alles auswendig spielen.
Am Freitag sollte ein Abschlussgottesdienst in Korolewo stattfinden. Auch da waren eine Reihe von Kindern, die lesen und schreiben gelernt haben. Während der Kriegszeit sind weniger Menschen in den Tabors. Ein großer Teil befindet in Deutschland, der Schweiz oder anderen Staaten. Einige von den Kindern haben dort schon Deutsch gelernt. Alle warten darauf, dass der Krieg aufhört und sie nach Hause zurückkehren können!
Zurzeit haben die Kinder Ferien, aber am 1. September geht es weiter in die nächste Klasse und es gibt auch wieder Erstklässler. Lasst uns weiter für diese Schulen und insbesondere für die Lehrer beten.
Unterwegs nach Kiew sahen wir an fast allen Ortschaften viele neue Gräber, auf denen ukrainische Flaggen wehten. Da lagen Gefallene aus dem noch immer dauernden russisch-ukrainischen Krieg. In einem Ort waren im Zentrum Schilder mit Fotos der Gefallenen aus diesem Ort ausgestellt. Unter ihnen waren viele junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren. Es sah traurig und grausam aus. Lasst uns beten um Schutz vor Kriegen in unserer Zeit!

500 Jahre Täufer – Jubiläumsfeier in Belaja Zerkow
Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt im Land eine Freilassung ausrufen für alle, die darin wohnen. Es ist das Halljahr (Jubeljahr). (3. Mose 25,10)
Schon in der alten Zeit hat Gott dem Volk Israel geboten, besondere Tage zu halten und zu feiern.
Am 30. und 31. Mai waren wir zur Feier des 500-jährigen Jubiläums der Täufergemeinden in Belaja Zerkow in der Nähe von Kiew eingeladen. Die Geschwister von Sowet Zerkwej in der Ukraine und Russland feierten an dem gleichen Tag dieses Fest. Einige Vorträge wurden auch nach Russland übertragen. Die Hauptvorträge kamen von V. F. aus Frankenthal. Trotz seines vorgeschrittenen Alters waren seine Beiträge sehr gesegnet!
Viele Brüder waren anwesend und vielen war dieses Ereignis wichtig. Einige wussten am Anfang nicht, was sie mit dem Thema anfangen sollten. Am nächsten Tag wurde jedoch vorgeschlagen, jedes Jahr eine geschichtliche Konferenz durchzuführen! Es ist wichtig, seine Geschichte und die Geschichte seines Volkes und seiner Gemeinde zu kennen, denn wir können viel draus lernen und es auch unseren Kindern weitergeben! Wir hatten einen Büchertisch mit über 60 Artikeln zu je drei bis zehn Exemplaren der Samenkornbücher in Russisch und Ukrainisch vorbereitet. Fast alle Bücher waren am ersten Tag vergriffen. Obwohl behauptet wird, dass heutzutage keine Bücher mehr gelesen werden, sollte man doch zum Lesen guter Bücher motivieren. Viele fragten auch, wo man solche Bücher herbekommen kann.
Wir haben in dem kleinen ukrainischen Dorf Romaschki, das ca. 50 km von Belaja Zerkow entfernt liegt, übernachtet. Vor zwei Wochen ist dort eine Drohne eingeschlagen. Das betroffene Haus ist abgebrannt. Zum Glück waren die Besitzer zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause. Wir haben die Warnsirenen auch oft gehört. Es war in einer Nacht, dass wieder die Sirenen losgingen. Dann stiegen Hubschrauber auf und alles wurde wieder still. Der Herr hat uns bewahrt. Ihm sei der Dank!
Sonntagmorgen waren wir in Romaschki auch zum Gottesdienst. Die Gemeinde ist über 100 Jahre alt. Ihre ersten Gemeindeglieder hatten noch zu Rjaboschapka Kontakt (Iwan Grigorjewitsch Rjaboschapka; 1831–1900; Prediger und Missionar; Pionier des russischen Stundismus). Wir haben sie ermutigt, ihre Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen!
In der Gemeinde sind alle Altersstufen vertreten. Sie besitzen ein Freizeitgelände, auf dem mehrere Gemeinden der Zentralukraine ihre Kinder- und Jungscharfreizeiten durchführen. Einige Gemeindeglieder beherrschen die englische Sprache und helfen intensiv beim Verteilen der Lebensmittel, die von den konservativen Mennoniten aus Nordamerika gespendet werden.
Auf dem Heimweg wurden wir wieder von der Familie S. freundlich zur Übernachtung aufgenommen und am 2. Juni sind wir wieder gesund und froh zu Hause gewesen. Vielen Dank allen, die diese Reise im Gebet unterstützt haben!
J. P. und P. L.