Korjaken am Ende der Welt

Eindrücke der Reise nach Kamtschatka im März 2020

Im Norden der Halbinsel Kamtschatka in Nordosten Russlands lebt ein kleines Volk von etwa 8.000 Personen, die „Korjaken“ genannt werden. Sie ähneln den Tschuktschen und Ewenken, die in der Nachbarschaft leben. Sie wohnen in Dörfern und ernähren sich vom Fischfang und der Jagd von Säugetieren. Eine andere Gruppe der Korjaken sind Nomaden und züchten Rentiere. Sie durchwandern die Insel mit den Herden auf der Suche nach nahrhaften Weiden. Ihre Herden zählten in den 1990- er Jahren bis zu 20.000 Tiere. Die Hauptstadt dieses Gebietes ist die Stadt Palana.

Heute leben viele Menschen vom Fischfang. Es werden Lachs und Hering gefangen. Von den Bodenschätzen werden Gold, Platin und Öl gefördert.

Die Korjaken glauben an ein höheres Wesen. Die okkulten Schamanen, die in Kontakt mit den Göttern treten, gelten als Beschützer der Korjaken und sind Menschen mit großem Einfluss.

Sehr traurig im Leben dieser nordischen Völker ist, dass sowohl Männer als auch Frauen der Trunksucht verfallen sind. Gennadi Moshajzev, der Missionar vor Ort, erzählte, dass er im Winter einen Schlitten mit einem Baby vor dem Postgebäude angetroffen hatte. Er wartete eine Zeitlang, aber niemand kümmerte sich um das Kind. Er nahm den Schlitten mit dem kleinen Jungen und brachte ihn ins Krankenhaus. Dieser Vorfall wurde der Polizei gemeldet. Erst nach einer Woche meldete sich eine junge Mutter, die im Alkoholrausch das Kind auf der Straße vergessen hatte. In der Gemeinde in Palana gibt es auch Korjaken und Tschuktschen, die den wahren Glauben an den Herrn Jesus gefunden haben.

Während wir die Gemeinde in Palana fast eine Woche lang besuchten, wohnten wir bei der korjakischen Schwester Nastja. Sie hat zwei jüngere Brüder, Mischa und Sergei. Sie wuchsen ohne Vater auf. Die Mutter ist alkoholabhängig. Wenn sie ihre Rente ausgezahlt bekommt, so kann sie nicht aufhören, Alkohol zu konsumieren – solange bis kein Geld mehr da ist. Sie schämt sich vor ihren Kindern, kann aber das Laster nicht lassen.

Diese Kinder wurden von der Missionarsfamilie zur Kinderfreizeit eingeladen. Dadurch lernten sie ein anderes Leben kennen. Sie fingen an, die Kinderstunden zu besuchen und bekehrten sich. Dann kamen sie zur Gemeinde. Mischa wurde vor einigen Jahren zum Diakon eingesegnet. Die Brüder Mischa und Sergei haben mittlerweile Familien gegründet und sind in der Gemeinde aktiv.

Nastja arbeitet als Krankenschwester, in der Gemeinde singt sie im Chor und leitet den Gesang. Sie beten für ihre Mutter.

In ihrer Stadt lebt auch ein älterer Korjake, ein Rentierzüchter. Er hat den Herrn liebgewonnen und dient dem Herrn mit seinem Haus. Von ihm wird berichtet, dass er die Bibel schon 70-mal durchgelesen hat und von Herzen versucht, nach ihr zu leben. So nahmen sie acht Waisenkinder auf und erziehen sie zurzeit in der Furcht des Herrn. Die meisten Eltern der Kinder sind verstorben oder sind so sehr in der Alkoholsucht gefangen, dass sie sich nicht um ihre Kinder kümmern können.

Alkoholsucht ist ein besonderes Problem vieler Einwohner des Nordens. Jedes Jahr werden einige Bewohner in der Stadt von Braunbären zerrissen, weil sie diesen im betrunkenen Zustand begegnen und nicht fliehen können.

Es ist ein Wunder, dass Gott in dieser Ferne seine Gemeinde aus verschiedenen Völkern baut. Lasst uns für die Missionarsfamilie Gennadi und Galina Moshajzev in Palana und für die Völker der Korjaken und Tschuktschen beten.

Jakob P., Harsewinkel

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