Aus der Arbeit des Hilfskomitee Aquila
Ende September erhielten wir beim Hilfskomitee Aquila in Steinhagen einen Anruf, der weitreichende Folgen hatte. Der Anruf kam aus der Georg Dechentreiter Stiftung in Bebra. Wir wurden gefragt, ob wir auch medizinische Hilfsgüter gebrauchen könnten. Uns wurde ein 20-Fuß-Container mit medizinischem Material angeboten, der mit Verbandmaterial, Material für Operationen, hochwertigen OP-Möbeln, einigen neuen Röntgenschürzen und auch etwas Kinderkleidung vollgeladen war. Diese Ladung war eigentlich für ein Kinderkrankenhaus in Afghanistan bestimmt, das von der Stiftung finanziert und versorgt wird. Da es Schwierigkeiten bei der Abfertigung des Containers nach Afghanistan gab, machte ein Freund der Stiftung sie auf das Hilfskomitee Aquila aufmerksam.
Wir waren sehr überrascht über so ein unerwartetes und hochwertiges Angebot. Nach einigen Überlegungen nahmen wir das Angebot gerne an und in kurzer Zeit konnte ein Hilfstransport in die Ukraine nach Tscherkassy organisiert werden. Der LKW wurde in Steinhagen mit Hilfsgütern so beladen, dass noch Platz für den Container war. Dann fuhr der LKW nach Bebra, wo der vorbereitete Container mit einem Kran auf die Ladefläche gehoben wurde.
Nachdem die Zollunterlagen fertig waren, wurde der Transport in die Ukraine geschickt.





In Tscherkassy wurde der Chefarzt der zentralen Chirurgie eingeladen, um die Ladung zu begutachten. Anschließend wurde der Hauptteil der Ladung in das zentrale Krankenhaus gebracht, wo ein Hauptlager für Verbandmaterial und andere Verbrauchsmaterialien eingerichtet wurde. Wir bekamen die Rückmeldung, dass sie schon lange keine so hochwertigen Medizinprodukte als Hilfslieferung bekommen hatten. Für viele verwundete Menschen sind diese Produkte eine Wohltat und Hilfe geworden. Teilweise müssen die Patienten ihre Versorgungsmaterialien selbst bezahlen, was dank dieser Hilfe für viele nun entfällt.
Die Georg Dechentreiter Stiftung stellte uns in Aussicht, dass wir eventuell auch weiter zusammenarbeiten könnten, wenn wir diese Ladung zweckgemäß und gut einsetzen können. Dies bemühten wir auch durch Dokumentation und offene Kommunikation zu erreichen, was sich jedoch aufgrund von wenigen Informationen aus Tscherkassy als schwierig erwies.
Gott sei gedankt, dass wir in Kontakt blieben und den Stiftungsmitgliedern ausreichend Informationen weitergeben konnten. Am 8. April nahmen wir eine weitere Ladung Verband- und medizinisches Material in Bebra in Empfang und sandten sie in die Ukraine. Etwa zwei Wochen, nachdem die Ladung in Tscherkassy eingetroffen war, erhielten wir folgende Nachrichten von dem Gemeindeleiter aus Tscherkassy, der unsere Transporte dort empfängt und verteilt:
Tscherkassy, Montag, den 28.04.2025, erste Nachricht
„Seid gegrüßt.
Gott sei Dank sind wir am Leben, besonders nach dem Angriff heute Morgen. Es ist der schlimmste Morgen seit Kriegsbeginn. Es hat letzte Nacht einen schweren Bombenangriff gegeben. Mein Haus wurde indirekt beschädigt. Es gibt Risse im Haus, aber es steht noch stabil. Gott sei Dank haben wir noch ein Dach über dem Kopf. Wie es weitergeht, werden wir sehen.
Was das medizinische Material angeht, haben wir bereits einen großen Kleinbus beladen und zum regionalen Krankenhaus geschickt. Dort gibt es Menschen, die sehr schwer verwundet sind, denen zum Beispiel Gliedmaßen amputiert wurden. Ich war heute Nachmittag dort. Die Stationen sind leider überfüllt mit neuen Leuten. Diesmal sind es Bewohner unserer Stadt, die hier schwer verletzt liegen.
Wir haben für morgen einen weiteren Termin angesetzt, was bedeutet, dass wieder ein Transporter kommt und alles, was wir an medizinischem Material haben, dorthin bringt, denn wir sehen, dass dort gerade ein großer Bedarf ist. Wir sind auch mit anderen Orten in Kontakt, wo wir kleine Mengen hingeschickt haben, um sicherzustellen, dass die Menschen mit den notwendigsten Dingen versorgt werden.
Wir werden versuchen, morgen einige Informationen zu bekommen. Ich werde mit einem Arzt sprechen und werde ihn um weitere Bilder bitten. Um ehrlich zu sein, muss ich mich noch von dem heutigen Schock erholen. Wir sind jetzt im Bethaus, um es wieder in Ordnung zu bringen. Es soll wieder wie ein Haus Gottes aussehen. Gott sei Dank, dass meine ganze Familie am Leben ist. Wir sind alle gesund. Gott sei Dank. Hoffentlich wird es bessere Tage in unserem Leben geben.
Bitte betet für uns!“
Tscherkassy, Montag, den 28.04.2025, zweite Nachricht
„[…] Ich werde heute Abend nach meinem Haus sehen, denn die Hälfte des Beschusses war ich zu Hause, die andere Hälfte habe ich im Bethaus verbracht, weil ich mir Sorgen gemacht habe, dass es beschädigt wird. Ich weiß nicht, wie kritisch die Lage aktuell in meinem Haus ist. Wegen eines Risses habe ich bereits Stützen aufgestellt, damit meine Küchenschränke nicht umfallen. Mein Haus ist sehr alt. Es ist aus Schilf und Lehm gebaut und reagiert sehr stark auf solche Schläge, d. h. es könnte einfach zusammenfallen. Nun, so ist leider auch unser Leben, wir fallen auch nach und nach auseinander. […]“
Tscherkassy, Dienstag, den 29.04.2025
„[…] Wir hatten heute eine ruhige Nacht und der Tag verläuft mehr oder weniger ruhig. Wir freuen uns über den kleinen Segen, den wir aktuell haben, denn gerade fliegt nichts, nichts wird zerbombt. Die Folgen nach dem heftigen Angriff sind natürlich in der ganzen Stadt und auch bei uns hier deutlich zu erkennen. Nicht nur wir, auch in unserer Umgebung gibt es Leute, die alte Häuser haben. Die haben auch viele Schäden nach so einem Beschuss. […]“
Tscherkassy, Mittwoch, den 30.04.2025
„Grüße dich […], das sind Bilder aus dem Krankenhaus, mit dem wir gerade zusammenarbeiten. Das ist das Verbandmaterial, das uns geschickt wurde. Auf den Fotos sind Patienten, die jetzt dort versorgt werden. […] Heute holt das Krankenhaus das ab, was sie gebrauchen können. Auch die letzten Medikamente, die wir haben, geben wir dem Krankenhaus ab. Gottes Segen euch!“
Nach diesen Informationen waren wir Gott dankbar, dass der Transport mit den medizinischen Hilfsgütern sehr rechtzeitig dort eintraf. Gott hilft nach seinem Plan, und manchmal dürfen wir auch ein Teil davon sein! Ihm die Ehre und der Dank dafür!
A. P.




