„Mein Lieber, du handelst treu in dem, was du an den Brüdern tust, auch an den unbekannten, die von deiner Liebe Zeugnis abgelegt haben vor der Gemeinde. Du wirst wohltun, wenn du ihnen ein Geleit gibst, wie es Gottes würdig ist; denn um Seines Namens willen sind sie ausgezogen, ohne von den Heiden etwas anzunehmen. So sind wir nun verpflichtet, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden.“ 3. Johannes 5–8
In diesem Abschnitt wird eine sehr praktische Situation geschildert, doch die hier beschriebene Gastfreundlichkeit geht über das gewöhnliche Maß hinaus. Einige Brüder sind im Auftrag des Evangeliums unterwegs und werden von einem gewissen Gaius aufgenommen. Allerdings werden sie nicht nur aufgenommen, sondern sollen auch ein Geleit bekommen: „Du wirst wohltun, wenn du ihnen ein Geleit gibst, wie es Gottes würdig ist“. Diese Worte scheinen auf den ersten Blick einfach, doch manchmal können auch einfache Worte riesengroße Brocken sein – ein Geleit, das Gottes würdig ist? Es gibt auch eine Begründung für diese besondere Gastfreundlichkeit: „denn um Seines Namens willen sind sie ausgezogen“. Die Gastfreundlichkeit gegenüber solchen Menschen hat einen besonderen Stellenwert. Weiter heißt es, und das auch an uns heute: „So sind wir nun verpflichtet solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden“. Das ist eine gigantische Aussage – Mitarbeiter der Wahrheit.
Der Auftrag – sie sind ausgezogen …
In dieser Welt hat Gott ein Werk. Seine Gemeinde ist nicht nur eine Sammlung von Menschen, die gläubig sind, sondern es gibt einen Auftrag dahinter. Wir sehen, dass auch hier Brüder in diesem Auftrag unterwegs sind. Dieser Auftrag geht auf Jesus Christus zurück. Er war im Auftrag des Vaters als Mensch in dieser Welt und hat das Erlösungswerk vollbracht, das jeder im Glauben annehmen kann. Kurz vor seiner Himmelfahrt hat er die Apostel ausgesandt und an unserer Textstelle merkt man, dass sich das nicht nur auf die elf bzw. später zwölf Apostel begrenzte, sondern es der Auftrag der Gemeinde ist. Das ist vom Herrn so vorgesehen und das ist auch einer der Gründe, warum die Gemeinde nicht untergegangen ist. Über 2000 Jahre gab es Verfolgung, Unterdrückung und Verachtung! Es gab sehr viel Gegenwind, aber Gott hat etwas in seine Gemeinde ‚eingebaut‘ – er wirkt durch seinen Geist. Die Botschaft muss alle Menschen erreichen und so ist auch die Gesinnung der Kinder Gottes geprägt. Dieser Auftrag wird priorisiert und unterstützt.
Bedenken wir einmal, wie viele Menschen losgegangen sind, um mich oder dich zu erreichen. Es ist nicht so entscheidend, wie groß die Entfernungen sind oder die zurückgelegten Kilometer, sondern dass sich immer wieder jemand auf den Weg gemacht hat, um zu mir zu kommen und mir das Wort Gottes nahezubringen, ob die Sonntagsschullehrerin, der Prediger oder auch ein Evangelist. Dahinter steht dieser Auftrag Gottes, ohne den auch ich den Herrn nicht erkannt hätte und jetzt kein Kind Gottes wäre.
Die Voraussetzung – um seines Namens willen …
Die Botschaft des rettenden Evangeliums verbreitet sich in dieser Welt. Manchmal haben wir mehr, manchmal weniger Berührung mit ihr, doch immer geht auch an uns die Frage: Wie gehen wir mit diesem Auftrag um? Die Worte aus Vers 7 verändern diesen kurzen Abschnitt und alles, was damit zu tun hat, völlig: „denn um Seines Namens willen sind sie ausgezogen“. Es handelt sich hier um mehr als reine Gastfreundschaft. Das, was hier geschieht, hat eine besondere Qualität. Es gibt Gastfreundschaft in verschiedene Richtungen – gegenüber Flüchtlingen, Nachbarn, Kollegen, Geschwistern und vielen anderen. Hier ist aber eine Gastfreundschaft gegenüber jemandem gemeint, der im Auftrag des Reiches Gottes unterwegs ist. Das ist auch von der Sprache her die Begründung, warum Gaius sich so zu verhalten hat, „denn um Seines Namens willen …“ Diese Worte sind in der Bibel sehr verbreitet und wiegen schwer. Wenn jemand im Auftrag des Herrn Jesus unterwegs ist, betont das die Bedeutung. Wenn wir im Auftrag der Gemeinde oder auch persönlich von Gott bewegt, die Botschaft weitergeben und zum Beispiel eine andere Gemeinde besuchen, dann steht über all dem menschlich Wertvollen das Ziel, dass Menschen Jesus Christus annehmen. Erst dann ist ihnen wirklich geholfen.
Hier müssen wir uns auch immer wieder prüfen: Bin ich in diesem Bewusstsein unterwegs – im Auftrag Gottes bzw. in seinem Namen? Ist mein Einsatz so, dass er dieser hohen Anforderung auch in Gottes Augen entspricht? Das kann man nicht aus eigener Kraft. Man kann es nur, indem man sich dem Herrn ausliefert, seine Prioritäten verfolgt, seinem Ziel dient und sich nicht von eigenen Interessen bestimmen lässt. Dazu gehört auch Opferbereitschaft und Leidensbereitschaft. Erst wenn das gegeben ist, wirken auch alle andere Dinge, die hier angesprochen sind. Wenn uns seine Ziele, sein Vorbild und sein Wesen in unserem Einsatz prägen, dann können diese hohen Worte auch in unserem Leben Wirklichkeit werden: „um Seines Namens willen sind sie ausgezogen“. Das kann unser Gebet und unser Verlangen vor dem Herrn sein.
Die Ausführung – wie es Gottes würdig ist …
Die Tatsache, dass man mit jemandem zu tun hat, der in so einem Auftrag steht, begründet einiges. Was hatte der angesprochene Gaius zu tun? Es scheint recht alltäglich zu sein. „Mein Lieber, du handelst treu in dem, was du an den Brüdern tust, auch an den unbekannten“. Das bedeutet ganz praktisch, jemanden zur Nacht aufzunehmen und am nächsten Tag auch ein Geleit zu geben. Das geschieht beispielsweise, wenn Geschwister einen Evangelisten für eine Woche in ihrem Haus aufnehmen, der dann Abend für Abend in der Gemeinde predigt. Außerdem braucht es noch eine ganze Reihe von Geschwistern, die weitere praktische Arbeiten leisten. Sie sorgen beispielsweise für die technischen und finanziellen Möglichkeiten und schaffen damit die Voraussetzungen für eine solche Evangelisation in der eigenen Gemeinde oder auch bei einem Einsatz weiter weg. Das ist ein sehr wertvoller Dienst.
In anderen Ländern können die Umstände auch viel schwieriger sein. Ich musste in diesem Zusammenhang an eine einerseits etwas heitere, andererseits aber auch sehr ernste Geschichte denken. Vor etwa dreißig Jahren waren drei Brüder aus Deutschland missionarisch in Sibirien unterwegs. Sie verbrachten die Nacht bei armen Leuten. Sie bekamen für die Nacht zu dritt ein Bett und eine Decke. Wahrscheinlich gab es nicht mehr. Ich stelle mir vor, dass die Gastgeber in der Nacht noch weniger hatten und sie es sich vielleicht in ihrer Küche bequem gemacht hatten – vielleicht auf ein paar Stühlen, vielleicht auf dem Fußboden – aber sie haben das gegeben, was sie hatten. Diese Bereitschaft hat sie qualifiziert. Wenn man diese Prioritäten hat und von Herzen gibt, ist es Gott würdig. Diese Decke war für die drei Männer aber doch etwas zu schmal, sodass die außen liegenden Brüder – bewusst oder unbewusst – an ihrer Kante zogen. Dadurch war die Decke so gut gespannt, dass sie den Mittleren gar nicht mehr berührt hat. Die Verhältnisse waren so einfach, und doch war es genug und gut, sodass sich die Brüder in der Nacht gut ausruhen und am nächsten Tag weiterreisen konnten.
Die Umstände können sehr einfach sein und doch gibt es diese hohe Anforderung, ein Geleit zu geben, das Gott würdig ist. Der Herr spricht davon: „Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes …“ (Mt 6,33a). Es geht ihm um die Erstlingsgabe. Das ist es, was der Herr will. Es geht ihm nicht um das Volumen, nicht um die Qualität oder die Größe, sondern um dieses ‚zuerst‘. Wenn wir für Gottes Werk das geben, was wir geben können, dann entspricht es dieser besonderen Gabe. Ein Geleit auf einer Reise beinhaltet natürlich das Praktische für den Körper, aber auch ein biblisches Wort ist wertvoll für ein Geleit.
Wir wissen nicht, in welchen Umständen wir morgen leben werden – wie sich unsere Situation und unser Leben entwickeln. Aber wir lesen hier von Werten, die in allen Ländern und Lebenslagen von Bedeutung sind. Das kann in verschiedenen Zeiten auch sehr gefährlich sein. Die ersten Täufer im 16. Jahrhundert wurden stark verfolgt. Nicht nur die Prediger lebten häufig in großer Gefahr. In einer Gegend, in der Verfolgung herrschte, wurden auch Gastgeber oft zur Rechenschaft gezogen, sodass manche verurteilt, eingekerkert und hingerichtet wurden. Der Teufel weiß auch, wie wertvoll dieser Dienst im Hintergrund ist, der scheinbar nur praktische Seiten hat und doch so bedeutend ist, dass er ihn so vehement bekämpft. In unserer Bibelstelle heißt es nach diesen praktischen Dingen: „So sind wir nun verpflichtet, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden.“ In Matthäus 10,41a steht: „Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen“. So wertvoll ist es, jemanden in Jesu Namen aufzunehmen. Dieses ‚Gäste aufnehmen‘ möchte ich stellvertretend für viele andere praktische Dinge anführen, die wir in der Gemeinde, aber auch in unserem Umkreis praktizieren und leben, denn dieser Abschnitt hebt die Bedeutung dieses Dienstes sehr hoch.
Wenn wir bedenken, dass Johannes, der diesen Brief schrieb, wohl zu den Aussendern gehörte und sich um die sorgte, die sich auf den Weg gemacht haben, dann sind seine Worte sehr nachvollziehbar. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viele Dienste im Hintergrund geschehen, aber der Herr sieht jeden einzelnen. Dazu noch eine kleine Illustration: Wir hatten damals in der Schule auch die großen Seefahrer in der Geschichte behandelt – z. B. Christoph Kolumbus oder Vasco da Gama. Das sind Kapitäne, die vorangingen und riesengroße Entfernungen über stürmische Ozeane zurücklegten und durch ihre Seereisen viele neue Wege entdeckt haben. Der Portugiese Vasco da Gama segelte aus Portugal in Richtung Süden und komplett um Afrika herum, am Kap der guten Hoffnung vorbei und quer durch den Indischen Ozean. Dadurch erschloss er einen Seeweg von Europa nach Indien. Auch Christoph Kolumbus ist vielen ein Begriff. Doch was die meisten nicht wissen: Vorher gab es bereits einen König in Portugal, der hieß Heinrich, der Seefahrer. Er selbst war nicht viel auf dem Meer unterwegs, aber er hatte ein Herz für die Seefahrt und hat immer wieder Mittel zur Verfügung gestellt, Menschen für die Seefahrt motiviert und viel Wissen gesammelt. Er hat die Voraussetzungen geschaffen, dass solche Kapitäne überhaupt in See stechen konnten.
Diese Betrachtung soll uns zum Nachdenken anregen und auch für unsere praktischen Dienste dankbar stimmen. Mögen wir dadurch gestärkt werden, dass Gott unsere praktischen Dienste für sehr wertvoll und wichtig hält und man durch diese Dienste zu einem Mitarbeiter der Wahrheit werden kann.
R. S.

