Palana am Ende der Welt

Besuch auf der Halbinsel Kamtschatka im März 2020
„Ihr werdet meine Zeugen sein … bis an das Ende der Erde“

Nastja lebte in einer gläubigen Familie in Zentralrussland. Ihre Eltern waren gläubig. Von Kindheit auf lernte sie beten und kannte die Geschichten aus der Bibel. Aber ihre sündige Natur und der Zeitgeist lockten sie zu einer anderen Lebensweise. Sie wollte die Freiheit genießen. Sie wollte nichts aus der Bibel und von Gott mehr hören. Sie zog aus dem Elternhaus aus, um ihr Glück in der Welt zu suchen. Die Eltern aber beteten für ihre Tochter.
Sie zog nach Usbekistan, um nichts mehr von Gott zu hören. Danach kam sie nach Palana im Norden von Kamtschatka. Sie war sich sicher, dass Gott sie hier nicht mehr finden wird.
Eines Tages sprach sie Bruder Genadij an. Sie war erstaunt und erschrak, dass Gott sie auch hier, am Ende der Welt, gefunden hat.
Sie kam zur Gemeinschaft der Gläubigen, bekehrte sich, wurde Gemeindemitglied und konnte noch einige Jahre dem Herrn dienen. Die Gebete ihrer Eltern wurden erhört und sie konnte zu ihrem Herrn nach einem langen Leben der Flucht in die ewige Heimat eingehen.
Genadij Moshajzew wurde vor 20 Jahren mit seiner Frau und vier kleinen Kindern aus dem Belgorodgebiet nach Palana auf die Halbinsel Kamtschatka ausgesandt.
Palana – ein Ort mit knapp 3000 Einwohnern. Es sind die indigenen Korjaken, Itelmenen, Ewenen und Tschuktschen. Die Russen und Korjaken stellen die zwei größeren ethnischen Gruppen dar.
Als die Gemeindeleitung ihm die Aussendung nach Palana angeboten hatten, fuhr er zuerst allein hin, um sich mit der Lage dort bekannt zu machen. Zu der Zeit lag die Stadt im vollen Verfall. In vielen Häusern gab es keine Heizung. Strom wurde nur für einige Stunden freigegeben. Die Lebensmittelpreise waren sehr hoch. Viele lebensnotwendige Dinge waren gar nicht zu kaufen. Jeder, der eine Möglichkeit dazu hatte, zog von hier weg. Der Missionar wurde verdächtigt, wegen einer Straftat hierher verbannt zu sein.
Die leitenden Brüder boten ihm an, seine Familie nachzusenden. Er wollte aber zurück, um nie mehr hier zu erscheinen. Seine Frau war zu der Zeit mit dem fünften Kind schwanger. Die Gemeindeleiter sprachen mit ihnen. Seine Frau Galina war bereit auch in diesem Zustand sofort hinzuziehen. Sie willigten vorerst für zwei Jahre ein.
Jedes zweite Jahr kommt die Familie auf „das Festland“ in die Heimat. Und jedes mal verlängern sie ihren Aufenthalt auf der Halbinsel Kamtschatka für zwei weitere Jahre. Der Herr schenkte ihnen hier noch Kinder. Ihre älteste Tochter hat geheiratet und sie haben zwei Enkelkinder. Die Gemeinde zählt 39 Gemeindeglieder aus neun Nordvölkern. Unter ihnen gibt es mehrere junge Familien, viele Kinder, einige Jugendliche und mehrere Brüder. Sie haben einen kleinen Chor und Orchester.
Sie fingen die Versammlungen in ihrer Zweizimmerwohnung an. Mit der Zeit haben sie ein schönes Gebetshaus eingerichtet. Die Gemeinde ist im ganzen Ort bekannt geworden. Sie haben einen guten Ruf.
Wir kamen zur 20-Jahr-Feier der Missionsarbeit in Palana. Viele Zeugnisse, viele Gebetserhörungen, viele Gebete sind an dem Tag emporgestiegen. Von den jungen Brüdern ist schon ein Prediger und ein Diakon für den Dienst eingesegnet.
Die Gemeinde bekommt nur selten Besuch. Nicht mal jedes Jahr einmal. Es ist nicht sehr einfach Palana zu erreichen. Die Entfernung von Petropawlowsk-Kamtschatskij ist 1000 km. Der Winterweg durch die Sumpf Tundra ist nur zwei Monate im Jahr zugefroren und befahrbar. Die andere zehn Monate geht es nur mit dem Flugzeug, Hubschrauber oder Schiff, was sehr teuer ist. Der 2-stündige Flug von Petropawlowsk-Kamtschatski bis Palana ist teurer als der 10-stündige Flug von Deutschland bis Petropawlowsk. Wir fuhren mit Autos dorthin. Unterwegs besuchten wir noch Milkowo und Esso, wo sich auch kleine Gruppen von Kinder Gottes versammeln. Die Reise dauerte ca. 40 Stunden. Stellenweise sind die Wege sehr schwer befahrbar. Zurück flogen wir mit dem Flugzeug.
Die Geschwister in Palana waren sehr froh und dankbar für den Besuch. Sie wünschten, dass er nicht der letzte wäre. Wir hatten an vier Tagen bis zu zwei Versammlungen pro Tag. Abends beim Tee gab es noch Gemeinschaften bis zwei Uhr nachts.
Wir danken der Gemeinde und preisen den Herrn für die Führungen und Bewahrungen auf den vielen Straßen und Wegen!
Jakob Penner, Harsewinkel

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