Aus dem Tagebuch einer Lehrerin

Ashen Dyilega!
Durch die Gnade Gottes kann unsere Zigeunerschule auch in diesem Jahr weitergeführt werden. Das fünfte Schuljahr begann und irgendwie kam mir sofort ein Vers aus der Bibel in den Sinn: “Und du sollst an den ganzen Weg gedenken, durch den der Herr, dein Gott, dich geführt hat …” 5.Mose 8,2. (Ich möchte weitermachen – schon seit vier Jahren bin ich dabei!). Der Herr unterstützt und ermutigt uns Lehrer mit Seiner Kraft. Ehre sei Ihm für alle Wege und Bewahrung des Lebens. Dank der ernsthaften Gebete unserer Geschwister, gedeiht der Dienst unter den Zigeunern fruchtbar.
In diesem Jahr haben wir 5 Lehrer und 12 Klassen (in Podwinogradowo). Jeder Lehrer hat zwei bis drei Klassen, die in mehreren Schichten unterrichtet werden. Nach dem Unterricht, in der dritten oder sogar vierten Schicht, findet noch Musikunterricht auf der Violine, dem Klavier oder auf der Blockflöte statt. Zigeuner sind sehr musikbegeistert, weshalb sie sehr vom Singen und Musizieren angezogen werden. Natürlich ist es nicht so einfach, ihnen dies beizubringen, aber mit Gottes Hilfe, Anstrengung und viel Willenskraft, gewinnt die Sache an Erfolg. Wir erinnern uns oft an die Worte Jesu Christi: “getrennt von mir könnt ihr nichts tun.” Johannes 15,5.
In der Schule von Podwinogradowo sind aktuell 310 Kinder. Es gibt arme und mittelständische Kinder. Einige Kinder aus reichen Familien. Es gibt aber auch Waisen, Halbwaisen und Kinder mit Behinderungen. Solche Kinder verdienen die besten Plätze und die beste Behandlung. Weil unser Gott der Vater der Waisenkinder ist, kennt Er ihre Bedürfnisse und kümmert sich um sie. Ein Invalidenjunge namens Growfi besucht bei uns die erste Klasse. Alle Kinder in der Schule respektieren ihn besonders. Wenn er in die Klasse kommt, gibt jeder sofort den besten Platz auf und hilft ihm, sich hinzusetzen. Romakinder sind in solchen Dingen sehr freundlich und einfühlsam.
Ehrlich gesagt, es kommt auch in unserer Zigeunerschule vor, dass die Kinder jemanden täuschen oder etwas stehlen. Ihr wisst ja selbst, das sind Menschen, in deren Adern Blut fließt, das dazu neigt, schlechte Dinge zu tun. Nur allein Gott, der HERR, kann ihre Gewohnheiten und Überzeugungen ändern, wenn sie sich von ganzem Herzen an ihn wenden.
So ging eine kleine Zigeunerin eine Woche lang ohne Schulhefte in die Schule. Die Lehrerin fragte immer: “Wo ist dein Heft?” Und sie antwortete jeden Tag: “Morgen bringe ich es mit.” Und tatsächlich kam sie eine Woche später mit einem Schulheft, aber mit einem falschen Namen. – Sie stahl es bei jemandem von den Schulkindern. Es war ein Mädchen aus einer armen Familie und anscheinend hatten die Eltern nicht das Geld, um ihr ein Heft zu kaufen. Die einfachste Möglichkeit eins zu bekommen war also – zu stehlen.
Die Jungs der dritten Klasse sind eine laute Gesellschaft und lieben Abenteuer. Es war ein warmer Frühlingstag. Der Unterricht war zu Ende und meine Kollegin sagte: “Lasst uns aufstehen und den Unterricht mit einem Gebet beenden.” Während des Gebets führten die Kinder ihren Plan aus: Die Lehrerin hatte Ihre Augen noch nicht geöffnet, da war bereits die Hälfte der Kinder durch das Fenster nach draußen gesprungen. Sie traten nacheinander auf die Stühle und Tische und folgten einem verführerischen Beispiel. Sie winkten nur zum Abschied: “Auf Wiedersehen, Marina Iwanowna!” „Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll“, erzählte Marina mir die Geschichte des Tages.
Wir lieben und schätzen unsere christliche Schule, weil hier Kinder geistig wachsen und sich zum Besseren verändern.
Manche mögen sich fragen: „Was freuen wir die sich und loben ihre Schulkinder?“ Wir wissen, was sie waren und was sie jetzt geworden sind.
Was vor vier Jahren war, kann nicht mehr mit dem verglichen werden, wie es jetzt ist. Dem Herrn die Ehre für das, was er tut. In dieser letzten Zeit kommen die Zigeuner mit Reue zu Gott. Unwillkürlich kommt das Lied in den Sinn: „Halte, was du hast, Christ. Ja, es kann leicht verloren gehen, wenn man es loslässt. Wir haben für etwas zu kämpfen, wir haben etwas zu verlieren, wir werden nicht nachlässig sein…“
In der Schule hören die Kinder gerne biblische Geschichten und wenden sie in ihrem Leben an. Es gibt Klassen, in denen die Jungen das Predigen lernen. Die Lehrerin nimmt die Schüler nacheinander dran. Der Junge bereitet zu Hause eine Predigt vor. Dann erzählt er in der Klasse, was er vorbereitet hat und was Gott ihm aufs Herz gelegt hat.
Einmal erzählte ich den Kindern eine Geschichte mit dem Titel: “Ohne Worte zu betrügen.” Sie handelte von Rudik, der verschwieg, dass er in dem Klassenraum eine Lampe zerschlagen hatte. Alle Schuld lag bei einem unschuldigen Jungen. Die Zigeunerjungen aus der 4. Klasse hörten begeistert zu und wendeten die Wörter auf ihr Vokabular an. Am nächsten Tag in der Schule fragte ich die Schüler: “Hebt die Hände, wer seine Hausaufgaben gemacht hat!” – viele Hände wurden gehoben. Dann frug ich: ” Hebt die Hände, wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat!” – ein Junge zeigte auf … Plötzlich zeigten alle Kinder mit dem Finger auf Rousseau, der geschwiegen, aber seine Hausaufgaben auch nicht gemacht hatte. Alle Kinder fällten ihm das Urteil im Chor: „Täuschung ohne Worte“. Ich bin froh, dass die Kinder die Geschichte gut verstanden haben.
Man könnte viele weitere Beispiele nennen, sowohl gute als auch schlechte. All das ist eine Lebensschule für die Kinder und die Lehrer. Das ist bei jedem unterschiedlich, weil jeder etwas anderes zu lernen hat. Gott prüft niemanden über seine Kraft, und Er hilft uns, stärker und besser zu werden. Wir möchten weiterhin in unserer Schule arbeiten und für diese Menschen Gutes tun!
Liebe die Zigeuner auf Erden so wie sie sind. Schau nicht auf die Haut und das Aussehen, unter ihnen gibt es auch aufrichtige Kinder Gottes. Wenn wir sie nicht schon hier auf Erden lieben, wie können wir dann im Himmel zusammen sein? Und im himmlischen Land wird es keine Trennwände und Zellen geben, wo jedes Volk für sich ist. Gott hat kein Ansehen der Person.
Ja, Zigeuner tun viel böses, aber die aufrichtigste Reue und die innigsten Gebete sah ich gerade bei ihnen.
In meiner Klasse liegt vorne in der Nähe der Tafel ein blauer Teppich. Ich wollte ihn schon oft entfernen, kann es aber einfach nicht. Kinderbuße findet darauf statt. Kinder fallen auf die Knie, schreien zu Gott, wie Erwachsene und bitten Ihn um Vergebung für schlechte Taten. Ihre Gebete zerreißen mein Herz und ich weine mit ihnen. Oh, wenn wir Erwachsene wie Kinder wären… Die Bibel sagt nicht umsonst: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen!“ Matt.18,3.
Liebe Freunde, ich höre nicht auf, euch für die Gebete zu danken, die ihr bereitwillig betet und uns mit ihnen in der Arbeit unterstützt. Gott segne euch! Was würden wir ohne eure Gebete tun? Die ganze Welt liegt in den Händen der Unbekannten betenden Heiligen.
„Das Glück kommt nicht einfach so zu uns,
Mit harter Arbeit wirst du es nicht erreichen;
Es ist nur dort, wo im Herzen Reinheit ist,
Und wo das Gebet mit Tränen sich ergießt. “
Bleibt beim Herrn! Auf Zigeunerisch klingt es so: Ashen Dyilega.
Mit Liebe – Diana, Podwinogradowo

preview

Menü