Ein Leib in Christus

Reise mit fünf Brüdern durch Kasachstan und Sibirien im Januar 2019

„Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, um euch etwas geistliche Gnadengabe mitzuteilen, damit ihr gestärkt werdet, das heißt aber, dass ich mitgetröstet werde unter euch durch den gegenseitigen Austausch eures und meines Glaubens (Römer 1,11-12).

Einen Container oder ein Lkw zu packen kostet Kraft, Zeit und bedarf Hilfe anderer Geschwister. Aber nach einer durchaus anstrengenden Arbeit ist es getan und der Container oder Lkw sind unterwegs nach Kasachstan oder Sibirien. Ist damit unsere Pflicht getan? Nein! Wie geht es unseren Brüdern und Schwestern, denen wir die Hilfsgüter und Literatur schicken? Verlangt es uns, so wie Apostel Paulus, die Geschwister zu sehen? Ja! So hatten wir, Mitarbeiter vom HK Aquila, den Wunsch, auch dieses Jahr eine Reise nach Kasachstan und Sibirien zu machen, um zu sehen wie es den Geschwistern im Osten, die sich auf die Hilfsgüter und christliche Literatur freuen, geht.

Es wurde eine weite Route, von ca. 4.600km geplant. Als wir aber am Ende der Reise zurück nach Karaganda kamen waren es 5.300 km, die wir mit dem Auto zurückgelegt hatten.

Von Frankfurt nach Karaganda angekommen, wollte Bruder Nikolai Zhuravlev bei seinem Bruder das Auto holen, das, wie im Vorfeld besprochen war, uns für die weite Reise bereitgestellt werden sollte. Doch als wir vom Flughafen abgeholt wurden, hat sich rausgestellt, dass das Auto wegen fehlender Ersatzteile noch nicht fahrtüchtig gemacht werden konnte, mit dem die weite Reise unternommen werden sollte. Gott erhörte unsere Gebete, sodass das Auto uns dann doch rechtzeitig zur Verfügung stand. Die Sorge, dass das Auto die weite Reise durchhalten sollte, haben wir dem Herrn anvertraut.

Im Mirnij, das war unsere erste Stelle, freuten sich Jakob & Irina Thiessen und die Geschwister über unseren Besuch und baten uns, die Durchführung des Gottesdienstes zu übernehmen. Auch im Molodeschnij durften wir uns am Gottesdienst beteiligen und die Geschwister hier haben uns für die erste Nacht beherbergt. Bei solcher Gelegenheit ist die Gemeinschaft sehr herzlich. Eine Schwester, die 3 Brüder von uns beherbergt hatte, erzählte ihre Bekehrung.

Auch am nächsten Tag in Pawlodar gab es verschiedene Themen zu besprechen. Unter anderem wurde auch das Thema des gemeinsamen Gesangs, aber auch des Chorgesangs angesprochen. Wir sprachen die Sorge an, dass ein wichtiger Bestandteil unserer Gottesdienste – der gemeinsame vierstimmige Gesang durch das Anstrahlen der Lieder an die Wand, das heutzutage in vielen Gemeinden selbstverständlich ist, verloren geht. Davon betroffen ist auch der Chorgesang und das Bibellesen. Die Bibeln bleiben zuhause, weil die Bibelverse ja jeder lesen kann, ohne die Bibel dabei zu haben. Diese unsere Sorge haben wir weitergegeben und haben den Brüdern Liederbücher mit Noten angeboten, die der Verlag „Samenkorn“ gedruckt und auch bereits rübergeschickt hatte.

Auch in Russland (Altaigebiet) haben wir über das Thema gesprochen, im Dorf Choroschee und in Slawgorod freuten sich die Brüder sehr über die Liederbücher und waren bereit diese sofort in den Bänken zu verteilen.

Im Dorf Tatjanowka, wo früher eine große Gemeinde war, ist heute das Gemeindehaus zu einem Wohnhaus umfunktioniert worden. Eine gläubige Familie, die in diesem Haus wohnt, ist die einzige gläubige Familie im Dorf und besucht die Gottesdienste im Nachbardorf Nikolaewka.

In Blagoweschenka sprachen wir mit Bruder Jean Derksen über Bedarf an christlicher Literatur für Kinder. Er berichtete uns, dass sie am Setzen einiger Kinderbücher, wie die Tierwelt u.a. sind.

In Barnaul berichtete uns der Gemeindeleiter Andrej Warkentin über ihren Missionsdienst, den sie jetzt in der Mongolei beginnen wollen. Da es hier Schwierigkeiten mit der Regierung und auch Bevölkerung vor Ort gibt, fragte er nach einem Rat und bat um Fürbitte.

In Slawgorod nehmen auch gehörlose am Gottesdienst teil.

Nach einer Tagesreise kamen wir im Gebiet Omsk an und freuten uns sehr, den Bruder Nikolaj Dickmann zu sehen und auch Gemeinschaft mit ihm zu haben. Mit seinen 90 Jahren wirkt er noch sehr mutig und seine Freude am Herrn ist ungetrübt. In seinem hohen Alter konnte er sich an sehr viele Brüder erinnern, die schon viele Jahre in Deutschland leben.

Die Geschwister in den Gemeinden Petrowka und Isilkul freuten sich sehr auf unseren Besuch in ihren Gemeinden. Nachdem wir zwei Tage unter den Geschwistern im Omsk Gebiet waren, fuhren wir wieder über die Grenze nach Kasachstan.

Als erstes besuchten wir eine Gemeinde in Sergeevka. Hier eingeladen bei einer Familie aus der Gemeinde, kam auch eine Schwester dazu, die ihre Sorge um ihren Sohn mit uns teilte, der zur Sonntagschule und zu Gottesdiensten kam, aber jetzt in die Trunksucht verfallen ist. Sie bat für Sie und ihren Sohn zu beten.

In Privolnoe wurden wir herzlich bei der Familie Kusmenko begrüßt und aufgenommen. Beim Gespräch zeigte Bruder Kusmenko uns die Chronik ihrer Gemeinde in Bildern, auf dem Ersten Foto sah ich (Jakob Dyck) das Bild einer Schwester aus meiner Jugend. Sie musste hier in den Jahren 1985 – 1987 arbeiten. In jener Zeit besuchten wir (ca. 8 Jugendliche) unsere Schwester in dieser Gegend und noch zwei weitere Dörfer, Rusaevka und Privolnoje. In diesen Dörfern waren nur ein paar Schwestern, die zusammenkamen und Lieder sangen. Bruder Kusmenko sagte, dass das der Anfang ihrer Gemeinde war.

Wir waren auch in der Gemeinde in Tschistopolje, wo Eduard Ens einen Teil seiner Kindheit verlebt hatte. Man hat hier nichts über die schlechte wirtschaftliche Lage gehört, aber eine Sehnsucht nach dienenden Brüdern wurde ausgesprochen.

Das weitere Ziel war Amankaragaj. Hier hatte Bruder Nikolaj Janzen vier Gottesdienste, in Klutschewoj, Kuschmurun, Kaibagor und Amankaragaj, organisiert, bei denen wir dienen durften. Nach den Gottesdiensten hatten wir mit den Geschwistern Gemeinschaft. Nikolaj Janzen erzählte uns, wie Gott ihn geführt und seinen Dienst, unter anderem im Gefängnis, gesegnet hat. Einen Beamten aus dem Gefängnis (jetzt im Ruhestand) hat er zum Gottesdienst eingeladen und er kam.

Nun ging es zu der letzten Etappe unserer Reise. Wir fuhren wir nach Schutschinsk. Hier sollte, neben der Teilnahme am Gottesdienst, vorbereitend über die bevorstehenden Baueinsätze im Mai dieses Jahres gesprochen werden. Auch hier erlebten wir eine herzliche Aufnahme und durften eine Gemeinschaft mit den Geschwistern haben.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Karaganda. Dort nahmen wir am 3-tägigen Geschichtsseminar teil. Hier kamen Brüder und Schwestern aus ganz Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan u.a. zusammen.

Ein Bruder aus Usbekistan hatte sich zu Beginn des Seminars in mancher Hinsicht kritisch geäußert. Am dritten Tag entschuldigte er sich und sagte, dass er das Ganze im Vorfeld anders aufgefasst hatte. Er hatte sich dann für das Geschichtsseminar sehr bedankt und berichtete über die Situation in Usbekistan.

Die letzten Tage nutzten wir, um das Altenheim in Aktas, das Kinderheim in Saran und die Gemeinde 33 in Karaganda zu besuchen. Im Altenheim in Aktas sprachen wir mit einigen Bewohnern und nahmen eine tiefe Zufriedenheit war.

Das Kinderheim in Saran hat uns sehr positiv beeindruckt. Beim Gespräch mit den Kindern merkten wir auch hier die Zufriedenheit. Viele Kinder bekehren sich und kommen noch als Heimbewohner bereits in die Gemeinde. Für viele Kinder die hier leben ist der Tag, an dem sie das Alter erreicht haben, bei dem sie das Heim verlassen müssen, ein schwieriger Entscheidungspunkt: Gehe ich in die Gemeinde der Gläubigen und bleibe ich hier, oder vergesse ich was war und gehe in die weite Welt hinaus. Die Versuchung den leichteren Weg zu wählen ist groß. Ein Gebetsanliegen für uns alle, die wir im Glauben stehen.

Gott sei Lob und Dank! Wir durften viele Geschwister sehen, ihnen zur Stärkung etwas von der geistlichen Gnadengabe mitzuteilen, aber auch wir wurden mitgetröstet durch den gegenseitigen Austausch unseres gemeinsamen Glaubens.

Jakob Penner, Eduard Ens, Nikolai Zurawlew, Erich Liebenau und Jakob Dyck

Menü