Schule

Ankunft in einer neuen Welt

Besuch einer Kinderbuchautorin in den Schulen im Frühjahr 2019
Zigeuner-Tabor… welche Bedeutung haben diese zwei Worte? In Transkarpatien biege ich in das Dorf Podwinogradowo auf eine gepflasterte Straße ab. Entlang der Straße stehen zu beiden Seiten zwei- bis dreigeschossige Paläste mit unvorstellbarer Architektur aus Türmchen und Dächern, die mit Dachpfannen oder anderen glänzenden Materialien eingedeckt sind. Die Wände sind in den grellsten Farben gestrichen, von grün, rot, gelb und vielen anderen Farben ist alles dabei. Auch die Fenster haben unterschiedliche Tönungen und Spiegelungen. Die Zäune sind ebenso besondere Kompositionen der Kunst. Sie sind goldfarben lackiert. Die Höfe scheinen pompös mit Springbrunnen und manche haben sogar einige Pflanzen. Doch nicht viel. Sehr bescheiden. Auf der Straße ist viel Müll und Dreck. Aber am Samstag wird alles ausgefegt.
Es begrüßt mich eine große Menge Kinder unterschiedlichen Alters. Die Frauen sitzen vor den Grundstücken in ihren breiten und sehr farbigen Röcken. Die Männer stehen in Gruppen, knacken Sonnenblumenkerne und unterhalten sich. Viele der hier lebenden Männer fahren für Saisonarbeiten nach Russland, um dort Geld zu verdienen.


Doch kaum biegt man von dieser Straße in eine Nebengasse ein, malt sich ein völlig anderes Bild vor unseren Augen. Armselige und heruntergekommene Häuschen mit billigen Schiefer- und Metalldächern. Manche sich auch einfach nur mit einer Folie abgedeckt. Auch die Fenster sind dreckig, wobei auch hier viele Glasscheiben durch dunkle Folien ersetzt wurden. Neben den Häusern häufen sich Berge von Müll. Es gibt keine Toiletten, was zur Folge hat, dass dieser Dreck direkt vor der Haustür liegt.
Auch neben diesen Häusern sitzen oder stehen Zigeuner, die Frauen auch in breiten Röcken, jedoch nicht solch teuren. Die Reichen geben für solche Kleider sogar über 800 Dollar aus. Hier gibt es mehr Kinder. Obwohl sie dreckig sind, sind ihre Augen genauso lebendig und neugierig. Wie schön die doch sind, diese zigeunischen Kinder. Ohne auf ihr Äußeres zu schauen, möchte man sie einfach nur umarmen, sie in ihrem Spielen beobachten. Sie sind so lebendig, laut, anschmiegsam und aufdringlich zugleich. Es ist fast unmöglich, sie nicht lieb zu gewinnen. Unabhängig von der Größe der Grundstücke, gibt es in keinem Hof Pflanzen. Es ist ein freiheitsliebendes Volk und für sie ist es eine Erniedrigung, in der Erde zu graben. Vieles ist einfach nur zugemüllt, sodass dazwischen nicht selten Ratten zu finden sind. In den Häusern der Armen gibt es so gut wie keine Möbel. Es steht in der Mitte des Raumes ein provisorischer Ofen, auf dem das Essen zubereitet wird, der gleichzeitig zum Heizen des Hauses verwendet wird. Bei Kälte versammelt sich hier die ganze Familie oder bei etwas mehr Platz mehrere Familien aus der Nachbarschaft. Es wird auf dem Boden auf Matratzen geschlafen und gegessen. Dazu bemüht man sich nicht unbedingt um eine saubere Unterlage.

Als ich an der Schule ankam, welche von Christen aus Deutschland mitaufgebaut wurde, sah ich daneben das Gemeindehaus. Leider sind die meisten Zigeuner Analphabeten, obwohl diese Gemeinde schon ihr 40-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Im anderen Tabor, Podwinogradowo, ist die Gemeinde auch schon etwa 25 Jahre alt.
In der einen Schule unterrichten fünf und in der anderen vier Lehrer. Die Schwestern kommen alle aus der Ukraine. In meinen Augen sind sie schon jetzt Helden unserer Zeit. Wenn man sie bei ihrer Arbeit beobachtet, wie sie in den unterschiedlichen Klassen unterrichten, besonders bei den Kleinsten, die die russische Sprache nicht verstehen, wird dies nur bestätigt. Der Unterricht dauert von einer bis zweieinhalb Stunden und dies in zwei bis drei Schichten an vier Tagen in der Woche. In dieser Zeit werden Lesen, Rechnen, biblische Geschichten, Gesang und das Gebet beigebracht. Die Eingangstüren werden nach Beginn des Unterrichts verschlossen, wobei die Lehrer dennoch ihre verspäteten Schüler hereinlassen, weil diese dann aus vollen Leibeskräften vor dem Fenster die Namen ihrer Lehrer brüllen.


Die Kinder kommen zu unterschiedlichen Zeiten zur Schule. Manche eine Stunde vor dem Unterricht, die anderen eine Stunde zu spät. Sie haben in ihren Häusern einfach keine Uhren. Selbst wenn sie welche hätten, würden die meisten sie nicht lesen können. Die Roma gehen sehr spät schlafen und schlafen auch dementsprechend lange. Es kümmert niemanden, ob das Kind zur Schule gegangen ist oder nicht.
Zum Gemeindehaus kommen sie meistens gut gekleidet. Es gibt fast auf jedem Gottesdienst Bekehrungen. Dazu kommen sie nach vorne und knien sich nieder. Wenn die Gemeinde anfängt zu singen, bekommt man eine Gänsehaut. Es ist wunderschön! Sie sind alle begabt und lieben den Gesang.

Ich verbrachte dort drei Wochen und besuchte eine Klasse nach der anderen und erzählte dort Geschichten. Wie sie zuhören können! Man sollte diese liebenswürdigen, neugierigen und glänzenden Augen mal sehen! Zum ersten September, dem Schulstart, gab es etwa 700 Schüler. Jetzt sind es deutlich weniger, weil die Mädchen, nachdem sie geheiratet haben, nicht mehr zur Schule kommen. Dies passiert im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Ihre Männer sind nur wenige Jahre älter. Manche von ihnen beenden für eine kurze Zeit den Schulbesuch, kommen aber später wieder. Diese Jungen werden sehr schnell erwachsen, sodass man das Gefühl für ihr Alter verliert. Es gibt eine Klasse, in der die zukünftigen Diener der Gemeinde im Alter von 15 bis 27 Jahren lesen und schreiben lernen. Von der Fibel gehen sie zur Bibel über.
Galina Gura, Nebraska, USA

Kurzer Bericht einer Leherin

Ich grüße euch alle!
Möchte ein wenig aus dem Leben und Arbeit in unserer Schule berichten. Die Kinder sind uns ans Herz gewachsen. Das wichtigste für sie ist –eine Mutter. Einige von den Kindern nennen mich Mama. Mich freut es, dass wir uns so angefreundet haben.
Mit Freude besuchen die Kinder die Schule. Sie haben einen großen Wunsch zu lernen, zeigen Verständnis zu jeglicher Arbeit, räumen gerne den Flur und das Klassenzimmer auf, machen gute Fortschritte im Lesen.
Sie lernen Gedichte und erzählen diese im Gottesdienst. Die Älteren lesen gerne biblische Geschichten und geben diese dann weiter. Das Wort Gottes zu lesen bereitet ihnen große Freude.
Alle Kinder singen gerne. Mit Freude und von Herzen loben sie Gott! Dem Herrn sei Dank, dass er Gebete hört! Das sehen wir in unserer Arbeit.
Swetlana Pirow, Korolewo

Aus dem Tagebuch einer Lehrerin

Von Viktoria Duwalko aus Korolevo

Ehre sei unserem Himmlischen Vater für seine große Fürsorge und Gnade, die Er an uns erweist!

Darum lassen wir uns nicht entmutigen, weil wir diesen Dienst haben gemäß der Barmherzigkeit, die wir empfangen haben.

2. Kor.  4,1

Das dritte Jahr meines Aufenthaltes in der Schule und im Tabor neigt sich dem Ende. Diese Zeit verflog für mich schnell und unbemerkt. Wenn ich über diese drei Jahre nachdenke, staune ich über die Gnade, die der Herr mir erwiesen hat.

Die Kinder nehmen im Lernen zu, die Ergebnisse sind erfreulich. Auch die Eltern zeigen Interesse am Lernprozess, erkundigen sich über das Verhalten der Kinder und machen sich Sorgen über den regelmäßigen Schulbesuch.

Meine Drittklässler machen sich Sorgen über die bevorstehenden Prüfungen. Sie wissen, dass das Ergebnis entscheidend für das Versetzen in die vierte Klasse ist. Und das freut mich. Schon jetzt machen sie sich Gedanken, was sie den ganzen Sommer ohne Schule machen werden. Manchmal, wenn ich am Montag zum Unterricht komme, bekomme ich von den Kindern eine Menge kleiner Briefe, die sie am Wochenende geschrieben haben. Einer von ihnen hat mich sehr gerührt. Ein Junge schrieb mir: “Vika, danke, dass du gekommen bist!“ Solche warmen Worte ermutigen mich noch mehr, unter diesem Volk zu dienen. Ich kann mir mein Leben ohne diese Kinder gar nicht mehr vorstellen. Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit, für diese Kinder sind wir Lehrer, Mütter, Freundinnen… Sie öffnen uns ihr Herz, teilen mit uns ihre Freude und ihre Traurigkeit.

Für die Kinder der ältesten Gruppe bin ich dem Herrn sehr dankbar. Einige haben sich in diesem Jahr bekehrt und wollen sich taufen lassen. Das ist für mich eine große Freude! Ich bete, dass sie alle in die Gemeinde kommen und Gott von Herzen dienen.

Während des Unterrichts

lesen wir zusammen die Bibel, jedes Kind erzählt, was es aus diesem Abschnitt gelernt hat. Manchmal haben sie interessante tiefe Gedanken. Wir singen zusammen, lernen Gedichte, üben Anspiele ein, beteiligen uns am Gottesdienst. Vor dem Gottesdienst sind die Kinder dann meistens sehr aufgeregt. Jemand sagte: „Wir sind erwachsen, aber am Gottesdienst haben wir uns noch nie beteiligt und fürchten uns vor dem Lautsprecher.“ Dem Herrn sei Dank, dass die Kinder den Wunsch haben, den Herrn zu loben.

Die Mädchen bringen mir nicht weniger Freude. Sie sind sehr zart und haben ein gutes Herz. Jede versucht, mich zu umarmen, ein Geheimnis mitzuteilen oder einfach ein paar gute Worte zu sagen, die für mich manchmal ein großer Trost sind. Einmal kam eine Schülerin nach dem Unterricht zu mir zu Besuch und sagte: „Ich bin gekommen, um Gemeinschaft mit dir zu haben.“ Sie wollte, dass ich ihr mehr Zeit widme. Ich liebe diese Kinder und bin Gott dankbar, dass Er mich diesen Weg führt und mich in Seinem Werk gebraucht.

Wie dankbar bin ich für die Opferbereitschaft und Gebete meiner Geschwister aus Deutschland. Meine Schüler erinnern sich voller Begeisterung an die Kindertage, die von einer Gruppe aus Deutschland vor Ostern durchgeführt wurden. Gott segne sie!

Besonders freue ich mich über die Bibliothek, die auch aus Deutschland zusammengestellt wurde! Die Bücher werden von mir und den Schülern regelmäßig gebraucht. Mit großem Interesse schauen die Kinder sich die Lehrbücher an, besonders die mit den Tieren.

Ich bete, dass der Herr uns mit seinem Segen und Weisheit erfüllt. Ich möchte den Unterricht nach seinem Willen gestalten und richtige Entscheidungen treffen.

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