Umweg über die A2

Reise in die Ukraine im Herbst 2019
„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR; sondern so viel der Himmel höher ist denn die Erde, so sind auch meine Wege höher denn eure Wege und meine Gedanken denn eure Gedanken“ (Jesaja 55,8-9).

Als Bruder Oleg Charchenko mit seiner Familie aus Mariupol bei uns in Salzwedel zu Besuch war und weiterreisen wollte, so gedachte ich ihn über die A7 nach Neuwied (sein nächstes Ziel) fahren zu lassen. Im letzten Augenblick fiel dem Bruder die Trittstufe bei der Schiebetür an meinen Ford auf. Weil er ein ähnliches Fahrzeug hat und viel mit älteren und behinderten Leuten unterwegs ist, entschieden wir uns noch schnell, so eine Stufe im Internet zu suchen und zu kaufen.
Gott sei Dank war in einem Geschäft in Gütersloh so eine Stufe auf Lager. Die Familie musste statt die A7 mit schönen bergigen Ausblicken, doch die eintönige A2 fahren.
Aber grade dies war Gottes Führung, denn als Bruder Oleg bei unseren Freunden in Harsewinkel übernachtete, holte er nicht nur die Stufe für seinen Ford ab, sondern besuchte auch das Hilfskomitee Aquila, wo er herzlich empfangen wurde. Er konnte viel gute geistliche Literatur mitnehmen.
In Jahr 2019 durfte ich zwei Mal in Mariupol sein und die Gemeinden dort besuchen. Ich staune über die Gnade Gottes, die dort am Wirken ist. Durch die Kriegsgefahr ist das Leben dort unsicher. Doch dadurch sind die Menschen dort offen für das Wort Gottes geworden.
Auf dieser Reise haben wir den Segen Gottes erfahren und durften erleben wie die verlorenen Sünder zu dem himmlischen Vater zurückkehren.
Im Sommer führte die Gemeinde in Mariupol mehrere Freizeiten für die Behinderten Menschen durch. Viele bettlägige, kranke und schwache Menschen. Erwachsene und Kinder durften viel Segen erleben in einem ehemaligen Kurort, der beim Asovsee am Ufer liegt und gehört seit einiger Zeit der Gemeinde. Viele Christen nahmen daran teil und mit Sorgfalt und Liebe kümmerte sie sich um die Kranken und ihre Betreuer, die sehr oft Verwandte oder Eltern der Kranken sind. Ziel war es, die frohe Botschaft weiter zu geben, damit die verlorenen Sünder gerettet werden können. Bruder Oleg bat uns, die Menschen, die im Sommer Gottes Wort gehört haben, im Herbst noch einmal zu besuchen und sie gezielt zu Jesus Christus dem Retter der Welt einzuladen.
Nach einiger Zeit des Gebetes und dem Segen unserer Ortsgemeinde in Salzwedel fuhren wir mit Bruder Abraham Derksen und meinen 4 Kindern nach Mariupol. Dort trafen wir auf weitere Brüder aus anderen Gemeinden aus Deutschland, USA und Ukraine zusammen und aufgeteilt in mehreren Teams gingen wir von Haus zu Haus. Wir gingen aber nicht mit leeren Händen. Neue Testamente, geistliche Literatur, Kalender und Lebensmittelpakete, mit einfachem und meist benötigtem Inhalt, nahmen wir mit.
Man sah diesen Menschen den geistlichen Hunger an. In der Regel lief der Besuch folgendermaßen ab: in Begleitung von einheimischen Christen oder einfach nach ausgehändigten Adressen gingen wir in Haus oder Wohnung rein. Wir stellten uns kurz vor, oft ohne unser Herkunftsland zu nennen und erkundigten uns nach ihrem Namen und ihrer Lebenssituation. Dann überreichten wir im Namen Gottes und seiner Gemeinde das Lebensmittelpaket. Anschließend hielten wir einen kurzen Gottesdienst ab. Wir beteten, sangen und sagten eine kleine Botschaft mit einer Einladung zur Bekehrung. In der Regel beteten die Menschen zum Schluss und sehr oft, Gott sei Dank, mit der Bitte, dass der Herr ihre Sünde vergibt und sie von aller Ungerechtigkeit reinigt. Wir durften ernten, was Geschwister in der Vergangenheit ausgestreut hatten. Manchmal verschloßen sich die Leute vor dem Wort Gottes, blieben aber sehr gastfreundlich. Nicht selten wurden wir zur Gemeinschaft am Tisch eingeladen.
Manche Begegnungen sind tief im Gedächtnis geblieben, zwei möchte ich ausführlicher beschreiben.
Eine Familie wohnte in einem kleinen Dorf, etwa 20 km von Mariupol entfernt: Hochbetagter Vater mit Namen Afanassij, seine bettlägerige Frau Nelli und die Tochter Irina. Sehr herzlicher Empfang, gleich an der Tür sagte die Tochter, dass sie sich heute alle drei bekehren möchten! Und das waren keine leeren Worte. Der Vater, ehemaliger Ortsvorsteher, der auch über diesen Besuch Bescheid wusste, hatte sich gründlich vorbereitet. Er ging, wie die Brüder aus der Gemeinde ihm empfohlen hatten, von Haus zu Haus und versöhnte sich mit denen, die eventuell etwas gegen ihn hatten. Er wollte Frieden haben, von Gott und Menschen Vergebung erfahren. Und so beteten Vater, Mutter und dann die Tochter das Gebet der Buße. Der Vater und die Tochter wurden froh und dankten für die Vergebung der Schuld. Nur die Mutter blieb ohne Freude. Einer der Brüder fragte, ob sie Erfahrungen in okkulten Bereichen hat, doch sie konnte sich nicht erinnern und dann kam die Tochter zur Hilfe: „Mama, du hast mir mal erzählt, dass ihr im Heim an der Hochschule an Weihnachten Gläser gerückt habt, um die Zukunft zu erfahren.“
Jetzt erinnerte sich auch die Mutter und betete gezielt um Vergebung für diese Tat. Freude und himmlisches Licht erleuchtet ihre Gesicht-Vergebung, Befreiung!
In einer anderen Familie sind Mutter und Tochter in der Gemeinde. Der Vater ist ein sehr gesprächiger Mann. Der Sohn Artur, nicht mal fünfzig, ist seit kurzem nach einem Schlaganfall gelähmt. Nach dem kurzen Gottesdienst und der Einladung zu Jesus zu kommen, sprach der Vater sich aus. Er wäre noch nicht so weit. Aber Artur erlebte einen inneren Kampf und weinte. Ein Bruder sagte ihm das Gebet vor und Artur begann zu beten, stotterte, weint wieder und konnte nicht weiter wiederholen. Sein weinen wurde lauter, er schrie etwas Unverständiges. Die anderen beteten in der Zeit für ihn. Der Kampf wurde härter und doch kam er zum Durchbruch. Jetzt weinte er vor Freude, weil seine Sünden ihm vergeben worden sind. Gott sei Dank!
Die Türen von Häusern stehen offen für die, die gute Botschaft bringen wollen. Aber man weiß nicht wie lange. Und man denkt immer wieder an die Worte von Jesus Christus: „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter“ (Matthäus 9,37).
Welche Wege gehen wir und welche Gedanken erfüllen unsere Herzen? Wohl uns, wenn wir erkennen wie wunderbar und hoch die Ratschlüsse Gottes sind. Noch wichtiger zu erkennen ist, wo Gott uns einsetzten und gebrauchen möchte. Werde ich einst von dem ewigen König hören, dass ich alles getan habe, was ich konnte, damit das Haus des Herrn voll werde?
Alexander Afanasew, Harsewinkel

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